Abriss : Von MMM zu TransforMap

Jon Richter, im September 2015

Die partizipative Entwicklung eines hybriden GIS

Schlagworte: Web Mapping, Volunteered Geographic Information, Participatory GIS, Geosemantics, Collaborative Ontology Modelling, Massively-scaled Small Data, Commons, Alternative Economy, Wikidata, OpenStreetMap

Abriss

Dieses Textfragment dokumentiert den gegenwärtigen Stand der Diskurse um MMM (Mother to Many Maps) und TransforMap, der dezentralisierenden Kartierung alternativer Ökonomien. Es skizziert die Entwicklung vom ideellen Narrativ hin zur pragmatischen Implementierung. Besonderes Augenmerk wird auf das Zusammenspiel mit Linked Open Data, Wikidata und OpenStreetMap gelegt.

Seit dem initialen MMM (Mapping Meeting Munich, 03.2014) entwickelt sich aus dem Kreis der Aktivistinnen ein Kooperationsgeflecht um eine Wissensallmende herum, die zur Degrowth Konferenz (Leipzig, 09.2014) treffend als TransforMap benannt wurde. Diese basiert auf dem Gedanken, dass alternative Ökonomien bereits hinlänglich im Alltag vorhanden, jedoch bislang ungenügend wahrgenommen werden.
Das gemeinsame Interesse der Partner (Commons, Solidarische Ökonomie, Gemeinwohlökonomie, Degrowth, OuiShare, Transition Network, Global Ecovillage Network, TESS u.a.) ist es die große Anzahl bereits vorhandener, zumeist lokaler und thematisch begrenzter Kartierungen diesbezüglich zu bündeln und miteinander zu vernetzen. Existierende Datenallmenden wie Wikidata und OpenStreetMap werden gemäß den Linked Open Data Prinzipien mit eingebunden.

Es wird über die Jahre zu zeigen sein, wie sich eine derart gelagerte Infrastruktur in die Felder der Politischen Ökologie, der evidenzbasierten Politikgestaltung und einer vernetzten Wissenschaft eingliedern lässt. Hauptinteresse liegt hierbei in der Demokratisierung von (Anm.: Daten über die Wirklichkeit beschreibenden) Metadaten, welche zur Wahrung ihres Gültikgeitsanspruches einem öffentlichen Diskurs zugeführt werden.

Ferner zeichnet sich ab, dass die technologische Herausforderung einer dezentralen Kartierungsplattform bisweilen von der Einfachheit hierarchischer Infrastruktur- und Wissensorganisationsmuster überschattet wird. Experimentelle Ansätze aus dem Umfeld des Cluster Computing, der föderierten sozialen Netzwerke sowie der Arbeit an semantischen Datenmodellen erlauben jedoch die Aussicht auf ein redezentralisiertes Internet, in welches sich TransforMap nahtlos einfügt.


Eine vernetzte Infrastruktur wie TransforMap ist nur so gut wie seine Verbindungen zur Außenwelt. Um das digitalisierte alternative Wissen der beteiligten praxisbezogenen Gemeinschaften angemessen begreifbar zu machen, ist eine weitestgehend automatisierte Verteilung unabdingbar. Glücklicherweise ist dies ein zentrales Thema der elektronischen Datenverarbeitung, weshalb auf einen reichhaltigen Schatz von Freier und Open Source Software als auch Offenen Daten zurückgegriffen werden kann. Die Aufgabe lautet letztlich jene anhand des übergeordneten politisch-ökologischen Narrativs schlau miteinander zu verknüpfen.

Neben der Integration und Anreicherung von bereits in OpenStreetMap und Wikidata erfassten Datensätzen ist es noch eine ungelöste Frage, wie die unterschiedlich lizenzierten und mitnichten standardisiert veröffentlichten Karten automatisiert erfasst, archiviert und im Gesamten wiederveröffentlicht werden können. Vom Aufbau dezentraler Datenbanken über geosemantische, tempospatiale Inferenz bis hin zu anwenderfreundlichen Schnittstellen und Oberflächen ist so manches bisher nur angedacht und gehört im Verlauf en detail spezifiziert.

Die gegenwärtig mehrheitlich deutschsprachige Initiative befindet sich zudem in einem Prozess der Öffnung hin zu einem vermehrt internationalen Publikum, was wichtige Akzente einbringt. Als Allmende ist TransforMap auf ein freiwilliges Bekenntnis der Teilnehmer angewiesen, kann jedoch auch auf punktuelle institutionelle Förderung bauen. Im harmonischen Zusammenspiel der Vielfalt an Faktoren des Gesamtprozesses liegt schließlich seine Stärke als Daten- und Infrastrukturallmende.